Wann ist ein Team selbstorganisiert?

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Wenn ein Unternehmen in einem komplexen Umfeld erfolgreich sein möchte, muss es sich agil aufstellen. Entscheidungen müssen schnell getroffen werden und die Köpfe aller Mitarbeiter*innen sind gefragt. Eine gute Möglichkeit dies zu erreichen ist die Arbeit in selbstorganisierten Teams. Auch im agilen Manifest werden selbstorganisierte Teams als gute Lösung genannt, um tolle Entwicklungen entstehen zu lassen.

Aber was genau heißt Selbstorganisation? Selbstorganisation entsteht nicht von alleine und nicht aus einem Fehlen von Organisation heraus. Selbstorganisation beruht auf einem Set von Regeln und Strukturen, die die Selbstorganisation des Teams fördern und sicherstellen.

Die Kriterien, die wir als unerlässlich sehen, wenn ein Team selbstorganisiert arbeiten möchten, haben wir für euch zusammengetragen.

Die Macht eigene Entscheidungen zu treffen

Ein selbstorganisiertes Team wartet nicht darauf, dass jemand ihm sagt, was es wie zu tun hat. Wenn ein wirklich gutes Produkt oder Service am Ende des Entwicklungsprozesses stehen soll, ist es wichtig dass sich alle aktiv beteiligen und mitdenken (dürfen). Hierfür muss das Team den Raum bekommen, selber Entscheidungen zu treffen. Dazu zählt auch das ‘Wie’ - wie werden Entscheidungen getroffen - und mit wem man sich absprechen muss. Die Macht eigene Entscheidungen zu treffen ist entsprechend mit der Verantwortung für die Entscheidungen und den damit verbundene Ergebnisse verbunden. Das Team bekommt das Lob und ebenso die Kritik. Hierdurch fühlen sich alle im Team mehr der Sache verpflichtet, denn niemand kann sich hinter der Chef*in verstecken.

Echte Zusammenarbeit

Der Helden, der alleine unglaublich tolle Sachen innoviert und auch noch umsetzt ist ein Mythos. Um Produkte zu entwickeln, die wirklich den Bedürfnissen der Kunden gerecht werden, braucht es ein diverses Team, in dem alle ihre Stärken zusammenbringen. Es braucht die enge Zusammenarbeit mit den Kunden (oder dem Product Owner), um nicht an den echten Kundenbedürfnissen vorbeizuarbeiten. Das heißt, dass alle an einem Strang ziehen und sich für einander einsetzen. Entsprechend muss das Belohnungs- und das Zielsystem daran ausgerichtet sein. Es kann keine Einzelboni sowie Einzelziele geben, die ausschließlich die Leistung einzelner berücksichtigen. Die Mannschaft gewinnt und verliert zusammen.

Vertrauen und Respekt

Eng mit einer guten Zusammenarbeit im Team verknüpft sind Vertrauen und Respekt. In einer vertrauensvollen Teamkultur werden offene Fragen, Kritik und Anregungen gerne geäußert und konstruktiv aufgenommen. Wer nicht weiterkommt fragt. So werden Reibungspunkte schnell aus dem Weg geräumt, Konflikte eskalieren nicht bzw. werden ausdiskutiert anstatt totgeschwiegen und die Teammitglieder kooperieren. Fehler können in einer solchen Kultur locker eingestanden werden. Ein Mangel an Vertrauen führt häufig zu einem Führungsverhalten von Mikromanagement.

Macht das Team dann alles alleine?

Inwieweit das Team selbstständig agiert, hängt auch von der Erfahrung des Teams ab. Ein Team voller Junioren, die ihre ersten Arbeitserfahrung in einem agilen Kontext sammeln, braucht am Anfang etwas mehr Unterstützung. Auch ein Team, was sich neu findet, muss zu Beginn mehr Zeit in die Teamfindung investieren und dabei nach Möglichkeit von einem agilen Coach begleitet werden.

Ein selbstorganisiertes Team bewegt sich stets im Unternehmenskontext und behält die Interessen des Unternehmens im Blick. Deshalb ist es wichtig zu klären, welche Verantwortungen und Entscheidungen wirklich im Team liegen und wann auch andere Stakeholder mit ins Boot geholt werden sollten. Diese Rollenverteilung und das Abklären der Verantwortlichkeiten muss immer explizit und transparent gemacht werden, zum Beispiel indem die Rollen und Verantwortlichkeiten präsent aufgehangen werden.

Wie kann Selbstorganisation im Team unterstützt werden?

Selbstorganisation in einem Team einzuführen, kann eine harte Nuss sein und das Team auf die Probe stellen. Je nachdem, wie groß der Anteil von Teammitgliedern ist, die bereits im agilen Kontext gearbeitet haben, wird die Transformation länger oder kürzer dauern.

Die Einführung von Selbstorganisation ist nicht damit getan, ein agiles Framework auszurufen. Es erfordert einen längeren Lern- und persönlichen Entwicklungsprozess. Was es braucht ist eine agile Haltung sowie das nötige agile Skillset. Aber es gibt ein paar Hilfestellungen, die das Team bei ihrem Weg in die Selbstorganisation unterstützen können.

Wenn das agile Skillset noch nicht vorhanden ist, ist ein Training guter Startpunkt. Bevor das Team also beginnt selbstorganisiert zu arbeiten, unterstützt ein Training in agilen Methoden. Hier können agile Kompetenzen in einem sicheren Umfeld erlernt und getestet werden.

Wenn die Selbstorganisation dann als offizieller Arbeitsmodus im Team eingeführt wurde, sollte es einen Coach an die Seite bekommen, welche*r das Team in der eigenen Entwicklung unterstützt und bei Bedarf mit Coaching und Rat zur Seite steht. Oft wird diese Rolle von einem Scrum Master oder Agile Coach übernommen.

Wenn das Team sich in den selbstorganisiertem Modus eingegroovt hat, gilt es, diesen Modus beizubehalten und weiterzuentwickeln. Hier kann ein Mentoring eine sinnvolle Ergänzung bieten. Dabei geht es darum, dem Team mit Erfahrungswerten beiseite zu stehen und es so aufs nächste Level zu bringen.

Wie habt ihr bei euch selbstorganisierte Teams eingeführt? Oder vor welchen Herausforderungen steht ihr noch?