Agilität und Servant Leadership - Partners in Crime

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Servant Leadership wurde schon in den 1970er durch Robert K. Greenleaf als eine wirksame Form der Führung vorgestellt - also lange bevor Agile Coaching oder Scrum ein Thema waren. Doch was mach Servant Leadership so wichtig im agilen Kontext?

Dafür ist es wichtig zu schauen, welche die 9 wichtigsten Fähigkeiten einer Servant Führungskraft sind:

1. Zuhören

Du kannst deine Kolleg*innen am besten unterstützen, wenn du ihnen wirklich und ehrlich zuhörst. Deshalb ist die Fähigkeit des aktiven Zuhörens - so abgegriffen das auch immer klingt - unerlässlich. Gib deinen Kolleg*innen die volle Aufmerksamkeit, achte auf ihre Körpersprache, vermeide Unterbrechungen und gib ihnen eine ernst gemeinte Rückmeldung.

2. Empathie

Als Servant Leader*in versuchst du immer, die Absichten und Perspektiven anderer Menschen zu verstehen. Du stellst deine Meinung und deinen Standpunkt auch mal hinten an, um offen und einfühlsam für die Sichtweise deines Gegenübers zu sein.

3. Heilung

Heilung klingt etwas esoterisch, aber damit ist ganz einfach gemeint, dass du die Rahmenbedingungen schaffst, dass es allen gut geht - physisch und psychisch. Diese Eigenschaft bezieht sich auf die emotionale Gesundheit der Menschen und beinhaltet die Unterstützung sowohl körperlich als auch geistig. Als Servant Leader*in stellst du zu allererst sicher, dass deine Kolleg*innen über das Wissen, die Unterstützung und die Ressourcen verfügen, um ihre Arbeit gut zu machen. Wenn das gegeben ist, sorgst du dafür, dass es für alle möglich ist, dass sie zufrieden bei der Arbeit sind und sich engagieren können. Das heißt aber nicht, dass du alle immer glücklich machen musst.

4. Selbsterkenntnis

Um deinen Kolleg*innen optimal dienen zu können, ist es sehr wichtig, dass du dich erstmal selber genau kennenlernst. Was macht dich aus? Was sind deine Werte und Überzeugungen? Welche Muster tauchen immer wieder auf? Und wie beeinflussen diese deine Beziehungen zu anderen Menschen?

Als Servant Leader*in suchst du immer wieder nach Möglichkeiten dich persönlich weiterzuentwickeln und fragst dafür auch anderen Menschen nach ihrem Feedback.

5. Überzeugungskraft

Als Servant Leader*in nutzt du deine Überzeugungskraft statt eine formale Machtposition, um Menschen zum Handeln zu ermutigen. Auch solltest du als Servant Leader_in darauf achten, dass Entscheidung von allen getragen werden. Dazu eignet sich zum Beispiel die Konsent-Methode (Diese Methode und andere Entscheidungsmethoden für die Selbstorganisation, findest du hier.)

6. Konzeptualisierung

Als Servant Leader*in beschäftigst du dich mit deiner alltägliche Arbeit und hast gleichzeitig das große Ganze im Blick. Deshalb bist du in der Lage unvorhersehbare Ereignisse für andere in den Unternehmenskontext einzuordnen. Hier für ist es sehr sinnvoll gemeinsam mit dem Team / der ganzen Organisation eine Vision zu entwickeln.

7. Verantwortung

Als Servant Leader*in dienst du zuallererst dem Allgemeinwohl der Gesellschaft, des Unternehmens, deiner Kolleg*innen. Du führst durch deine Vorbildfunktion - indem du das Verhalten zeigst, von dem du mehr in der Welt sehen willst.

8. Engagement für die Entwicklung anderer

Das ist vermutlich eine der zentralen Fähigkeiten, die dich als Servant Leader_in auszeichnen. Als Servant Leader*in unterstützt du, so gut es geht, die persönliche und berufliche Entwicklung eines jeden Einzelnen in deinem Team. Hierfür helfen Entwicklungsgespräche. Wenn du weißt, wo deine Kolleg*innen sich hin entwickeln wollen, können sie Aufgabe übernehmen, die diese Entwicklung voran treibt.

The servant-leader is servant first. It begins with the natural feeling that one wants to serve. Then conscious choice brings one to aspire to lead. The best test is: do those served grow as persons: do they, while being served, become healthier, wiser, freer, more autonomous, more likely themselves to become servants? (Greenleaf, 1977/2002, p. 27)

9. Gemeinschaft aufbauen

Die letzte wichtige Fähigkeit, die dich als Servant Leader*in ausmacht, ist die ein Gemeinschaftsgefühls in deinem Team / deiner Organisation aufzubauen.

Wichtig hierbei ist der informelle Austausch, der z.B. in der Kaffeeküche entsteht.

Was ist also eine Servant Führungskraft?

Eine Servant Führungskraft befähigt andere Menschen zu wachsen - freier und autonomer zu werden. Ein Servant Leader befähigt das Team dazu, wirklich selbstorganisiert zu arbeiten.

Servant Führungskraft zu sein heißt nicht, dafür zu sorgen, dass alle immer glücklich und gut versorgt sind (essen, trinken etc.). Jemand der anderen den Hintern pudert, dem Team alles abnimmt und sie damit von sich abhängig macht.

Beim Servant Leadership geht es darum, sich auf die Bedürfnisse anderer zu konzentrieren - nicht auf ihre Gefühle. Du solltest trotzdem auch mal unpopuläre Entscheidungen treffen oder Teammitgliedern negatives Feedback geben, wenn dies erforderlich ist.

Warum ist Servant Leadership im Agilen Kontext so wichtig?

Die Idee des „Servant Leadership“ ist in einem agilen Umfeld besonders wichtig, da ein agiler Ansatz am besten für Projekte und Organisationen in einem Umfeld großer Komplexität und Ungewissheit geeignet ist. In dieser Art von Umgebung, braucht es viel individuellen Einfallsreichtum. Um eine funktionierende Lösung zu finden und die Kreativität des Teams zu erhöhen, muss das Team so weit wie möglich in seiner Selbstorganisation gestärkt wird.

Es handelt sich im Grunde genommen um einen sanfteren Führungsstil, bei dem der Schwerpunkt darauf liegt, andere zu befähigen. Es ist ideal für eine sehr unsichere Umgebung, die einen adaptiven agilen Ansatz erfordert. Die Rollen bzw. die Verantwortlichkeiten der Servant Führungskraft entsprechen häufig der Rolle des agilen Coaches. Gleichzeitig kann das Team die Rolle auch in kleinere Rollen unterteilen und beispielsweise eine Vertrauensrolle, eine Team-Building-Rolle und eine Personalentwicklungsrolle schaffen.