Warum gute Geschichtenerzähler*innen immer im Vorteil sind

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Ich habe mich im Herbst 2016 mit New Work Trainings selbstständig gemacht. Einige Monate später googelte ich dann nach 'new work trainings' und AllesRoger erschien ganz oben. Da dachte ich mir, dass wir sicherlich gut kooperieren könnten. Ungefähr zwei Monate später war dann unser erster gemeinsamer Online-Kurs fertig. Seit Februar 2018 bin ich offizielle Teilhaberin." – Friederike von AllesRoger

 

Menschen lieben Geschichten. Sie erzählen sie sich in allen Formen und Situationen, malen sie mit den schönsten Wörtern aus, schreiben Romane. Es scheint, als würden sie dies aus reinem Vergnügen tun. Wie sinnvoll es ist, seine eigene Geschichte zu kennen, wird wohl erst klar, wenn sich geschichtliche Lücken bis heute bemerkbar machen. Wie haben sich meine Eltern überhaupt kennengelernt? Was musste alles passieren, damit ich heute an diesem Punkt stehe?

Motivation, die sich aus der Story schöpft

Die eigene Geschichte gibt uns einen Rahmen, der unser Leben zusammenhält und in den wir neue Situationen einordnen können. Das gibt uns ein Gefühl von Sinnhaftigkeit. So auch im Unternehmen – bekannt ist das vor allem von Familienbetrieben. Eine Bäckerei erscheint sofort ehrwürdiger, wenn die Geschichte mit „Der Beruf des Bäckers wird seit über 100 Jahren und bereits in der vierten Generation in der Familie ausgeübt“ beginnt. Doch nicht nur Kund*innen verstehen dadurch, was diese Bäckerei von anderen unterscheidet. Auch die Bäckersfamilie zieht aus dieser Geschichte ihre Motivation, die Tradition weiterzuführen und dem Bäckersberuf treu zu bleiben.

Jede*r braucht einen Bezug zur Vision des Unternehmens

Leider ist es heute in vielen Unternehmen noch so, dass Mitarbeiter*innen viele Jahre in einem Unternehmen verbracht haben müssen, um ein Gefühl für den Daseinszweck, die Kultur und die Werte des Ganzen zu bekommen (manche bekommen dies nie). Beim Onboarding bekommen Mitarbeiter*innen zwar Handbücher, die sie über die Strukturen und Prozesse des Unternehmens aufklären – über die Vision und den Purpose ist jedoch selten etwas nachzulesen.

Natürlich ist eine Story nicht nur in traditionsreichen Familienbetrieben wichtig. Mitarbeiter*innen aller Branchen interessieren sich dafür, wie das Unternehmen für das sie arbeiten, zu dem wurde, was es heute ist. Mit diesem Wissen können sie abgleichen, inwiefern die Unternehmensgeschichte mit den eigenen Werten übereinstimmt. Sie erkennen, woran sie anknüpfen können und sehen im besten Fall einen Sinn in ihrer Arbeit. Ohne eine Geschichte ist das kaum möglich. Deshalb geht es beim Storytelling mitnichten darum, den Mitarbeiter*innen Ammenmärchen aufzutischen, sondern darum, die Unternehmensvision und -werte so zu erzählen, dass jede*r einen Bezug dazu bekommt.

 

Warum Führungskräfte nicht Menschen managen, sondern Worte

Für eine gute Story, die auch auf emotionaler Ebene berührt, sind die Führungskräfte verantwortlich. Deshalb zählt Storytelling auch zu den New Work Kompetenzen, für die wir bei AllesRoger Trainings anbieten. Storytelling ist außerdem ein Teil der Führung komplexer Organisationen, die wir in diesem Blogartikel beschrieben haben. Die (informelle) Führungskraft agiert als Sinnbild und drückt aus, wie die Dinge sein könnten anstatt zu berichten, wie sie sind. Sie geben unvorhergesehenen Entwicklungen einen Sinn und wirken somit als Katalysator für größere Veränderungen. Auch schwierige Nachrichten können „re-framed“ und den Gesamtkontext eingeordnet werden.

Der erwähnte Blogartikel erklärt dazu beispielhaft:

„Wenn 3 von 100 Menschen entlassen werden müssen, ist es besser zu sagen, es konnten 97 Arbeitsplätze gerettet werden. Die Sprache von Führungskräften ist hier ein mächtiges Werkzeug. Wenn Führungskräfte immer wieder ähnliche Metaphern und Ausdrücke nutzen, unterstützen sie die Menschen in der Organisation dabei, ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln und selbst Katalysator für bestimmte Handlungen zu werden.“

 

Ein berühmtes Beispiel für einen der größten Geschichtenerzähler eines modernen Unternehmens ist Elon Musk. Er wird als Visionär bezeichnet, weil er es beherrscht, diese Visionen auch nach außen zu tragen. Immer mehr Menschen, seien es neue Mitarbeiter*innen, Investor*innen oder Kund*innen, fühlen sich davon angezogen.

Storytelling ist der Kit, der alles zusammenhält. Von der Traditionsbäckerei zu komplexen Unternehmen, die international über mehrere Zeitzonen hinweg agieren und wo aufgrund der Schnelllebigkeit kaum jemand den aktuellen Stand in Worte fassen kann, braucht es einen Sinn und Zweck, der allen klar ist.

Die beste Vision nützt nichts, wenn sie keiner kennt

„Unsere Vision ist eine Welt, in der alle mit Leichtigkeit zusammenarbeiten" – AllesRoger

Klingt gut oder? Finden wir auch, allerdings haben auch wir nicht immer unserer Vision und unseren Werten entsprechend gearbeitet. Wir hatten alles formuliert, auf der Website veröffentlicht – und das wars. Erst seitdem Vision und Werte ausgedruckt im Badezimmer hängen, haben wir sie täglich vor Augen und beziehen uns in Meetings und Feedbackrunden auf sie.

Ob über das Handbuch beim Onboarding, gut sichtbar auf der Homepage oder in der Firma platziert oder auch innerhalb jeglicher Kommunikation zwischen Führungskräften und Mitarbeiter*innen – die Vision braucht Sichtbarkeit. Sie ist die Basis, die durch gutes Storytelling alle erreichen muss. Denn eines ist sicher – Tage, an denen sich Mitarbeiter*innen fragen, warum sie sich das alles eigentlich antun, werden kommen. Nur ein wirklich gut vermittelter Purpose wird dann die Kündigungswelle aufhalten können.

Text: Laura Vorsatz