Unterschied Training - Workshop - Coaching

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Wir geben Trainings, Workshops und führen Coachings durch. Die drei Themen begleiten mich entsprechend und im Gespräch erlebe ich immer wieder, dass es meiner Gesprächspartner*in scheinbar egal ist, welches Wort ich benutze - es scheint immer das Gleiche zu sein.

Mir persönlich ist das natürlich nicht egal. Es gibt grundlegende Unterschiede zwischen den drei Begriffen. Wenn man diese Unterschiede kennt, ist es leichter das für sich passende auszuwählen und eine klare Erwartung zu kommunizieren. 

Der größte Unterschied liegt in der Rolle des "Begleiters". 

Input

Das Seminar

Bei einem Seminar liegt der Redeanteil zu 95% beim Referenten. Die Veranstaltungen in der Uni heißen nicht umsonst Seminare. Die Referentin bereitet das Thema vor, hangelt sich an ihrer Power Point entlang und händigt bei Bedarf einen Reader oder Handouts aus. Die Inhalte müssen von den Stundent*innen nachbereitet werden, damit der Transfer gesichert wird. Ein Seminar eignet sich besonders gut, wenn man nah am Thema dran ist und zusätzliches Wissen einen weiterbringt. Es geht also lediglich um Wissensvermittlung

Das Training

Bei einem Training liefert die Trainer*in Input zu bestimmten Inhalten und gestaltet Anwendungsphasen. So liegt der Trainer*innen-Anteil während der Trainingszeit bei etwa 30-50% und der Input bzw. der Arbeitsanteil durch die Teilnehmenden bei etwa 50-70%. Je nachdem, wie intensiv sich die Teilnehmenden mit dem Thema auseinander setzten sollen, wird nicht die Redezeit des Trainers verlängert, sondern das Training insgesamt. So bekommen die Teilnehmenden mehr Zeit, sich intensiv mit dem Thema auseinander zu setzen, es in der Praxis auszuprobieren, umzusetzen und im Training zu reflektieren. Es geht darum Können zu vermitteln

Der Workshop

Bei einem Workshop moderiert und strukturiert die Trainerin die Themen der Teilnehmenden. Es gibt keinen Input - außer er ist für das Vorankommen für die Gruppe essentiell. Der Fokus liegt darauf, dass die Gruppe eigenverantwortlich Antworten zu bestimmten Fragestellungen erarbeitet. Die Trainerin bleibt inhaltlich neutral. Der Arbeitsanteil der Gruppe liegt etwa bei 85%. Die 15% der Trainerin ergeben sich aus der Moderation und Anleitung. Sie stellt sicher, dass jeder gehört wird, die Diskussion beim Thema bleibt und Ergebnisse erarbeitet werden.

Das Coaching

Bei einem Coaching geht es darum den Coachee bei der Erarbeitung neuer Erkenntnisse und Perspektiven zu unterstützen. Der Input des Coaches beschränkt sich auf Fragen und ggf. Input, sofern sie den Coachee in ihrer Zielerreichung unterstützen. Der Coach strukturiert den Prozess und führt den Coachee hindurch. Der Eigenanteil - was Reflexion und 'Denkarbeit' betrifft - durch den Coachee liegt bei 95%. 

Die Unterschiede an einem Beispiel erklärt

Wir nehmen das Thema 'Gewaltfreie Kommunikation' als Beispiel. 

In einem Seminar erfährt die Teilnehmerin was gewaltfreie Kommunikation ist. Sie lernt die Grundlagen, erfährt mehr über den Begründer Marshall Rosenberg und in welchen Situationen sich die Kommunikation wie anwenden lässt. Der Referent gibt Beispiele und beantwortet Fragen dazu, wie Teilnehmer in bestimmten Situationen gewaltfrei kommunizieren hätten können. Zu Hause erzählt sie ihrem Mann, was sie gelernt hat. Über die nächsten Wochen denkt sie immer mal wieder an das Thema und überlegt, ob und - falls ja - wie sie noch mehr ins Thema kommen könnte. 

In einem Training lernt die Teilnehmerin die Grundlagen zum Thema gewaltfreie Kommunikation kennen und beschäftigt sich intensiv mit der dahinter stehenden Haltung. Sie reflektiert ihre eigene Haltung und versucht die verschiedenen Schritte der gewaltfreien Kommunikation mit eigenen Themen umzusetzen. Die intensive Übungsphase wird gefolgt von einer Auswertungsphase. Die Teilnehmer überlegen sich dann, wie sie den Transfer in den Alltag schaffen können und was sie zukünftig anders machen möchten. Zu Hause erzählt die Teilnehmerin ihrem Mann von dem Thema und berichtet von ihren Zielen. Sie bittet ihn um seine Unterstützung und macht Vorschläge dazu, wie diese Unterstützung konkret aussehen könnte. Über die nächsten Wochen übt sie die Anwendung immer wieder. In ihrem Umfeld wissen alle Bescheid und unterstützen sie. 

Die Teilnehmerin konnte mittlerweile ihr Team auf der Arbeit von der Methode überzeugen. Eine besondere Herausforderung stellt die Anwendung in Stresssituationen dar. Es scheint Uneinigkeit im Team zu geben, wie die Methode am besten umgesetzt werden kann. Im Workshop erarbeitet das Team gemeinsam, welche Maßnahmen sie ergreifen können, um die Methode besser zu implementieren. Das Team geht mit konkreten Ergebnissen nach Hause, die in den nächsten Wochen konsequent umgesetzt werden. 

Das Team hat sich als Ziel gesetzt, die Methode konsequent anzuwenden. Sie wissen wie es geht und ihr Arbeitsrahmen erlaubt ihnen die Umsetzung. In bestimmten Situationen fallen sie als Team immer wieder in alte Verhaltensmuster. Das ist nicht erwünscht. Im Teamcoaching schauen sie sich gemeinschaftlich diese bestimmten Situationen und ihre Dynamiken an. Sie analysieren und reflektieren was Auslöser sind und wie genau sie diese Dynamiken stoppen können, um ihrem Ziel näher zu kommen. Das Ergebnis des Coachings ist ein gemeinschaftliches Aha-Erlebnis und die Einsicht / Erkenntnis dazu, was sie zukünftig anders machen werden. 

In einem individuellen Coaching beschreibt die Klientin , dass sie gerne immer gewaltfrei kommunizieren möchte. Leider schafft sie es bisher überhaupt nicht, wenn sie sich mit ihrer Mutter unterhält - in jedem anderen Szenario ist es kein Problem. Im ersten Schritt legen wir das konkrete Ziel fest - zum Beispiel "Ich bleibe gelassen, wenn meine Mutter fragt warum ich nie anrufe". Im nächsten Schritt schauen wir uns an, wie ihr eigenes gewünschtes Verhalten eigentlich aussehen würde und was sie dazu braucht, um sich tatsächlich so zu verhalten. Am Ende des Prozesses hat die Klientin ihr Ziel erreicht.