Wie wissenschaftliche Erkenntnisse Selbstorganisation erleichtern

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Um flexibel auf die Umwelt reagieren zu können, braucht es mehr Selbstorganisation in den Unternehmen. Es gibt viele „Best Practices“ aus Unternehmen, die Selbstorganisation aktiv fördern wollen. Doch immer kommt der mahnende Zeigefinger: „Jedes Unternehmen ist anders. Ihr müsst euren eigenen Weg finden“. Aber wie?

Hier bietet die Wissenschaft tatsächlich eine wichtige Hilfestellung. Denn auch wenn „Best Practices“ nicht übertragbar sind, gibt es doch wissenschaftlich geprüfte Prinzipien, welche euch auf eurem New Work Weg unterstützen.

Eine wichtige Rolle spielen hierbei die „High Involvement Work Processes“ von Edward E. Lawler. Lawlers HIWP-Model definiert vier Faktoren, die die das Engagement von Mitarbeitenden positiv beeinflussen – Macht, Informationen, Belohnung und Kompetenzen. Das heißt, alle Änderungen, die ihr in Richtung New Work vornehmen wollt, insbesondere, wenn sie das tägliche Arbeiten eurer Mitarbeitenden beeinflussen, sollten auf HIWP-Tauglichkeit geprüft werden. Je mehr HIWP euer Change Prozess enthält, desto erfolgreicher wird er letztlich - genau wie die neuen Prozesse und Strukturen, die ihr einführt.

Worauf solltet ihr also auf eurem New Work Weg achten? Hier die vier Faktoren im Detail.

 

Macht über sich selbst

Macht beschreibt, in welchem Maße die Mitarbeitenden selbst Entscheidungen treffen können, welche ihre Arbeit beeinflussen. Macht zu haben bedeutet nicht, dass ich besonders viel davon habe, sondern, dass ich grundsätzlich dazu in der Lage bin, Dinge zu beeinflussen. Das reicht vom Mitspracherecht bzw. Gefragt werden bevor etwas entschieden wird zum Treffen der Entscheidung selbst inklusive der damit einhergehenden Rechenschaftspflicht. Die Mitarbeiter*innenbeteiligung ist dann am höchsten, wenn die Macht für Entscheidungen, die mich selbst betreffen, bei mir liegt. Ein erster Schritt in Richtung mehr Macht für Mitarbeitende ist die Einrichtung einer Plattform / eines Forums (digital oder in echt, z.B. als World Café oder Bar Camp). Dort können sie Ideen hervorbringen und austauschen. Wichtig dabei ist insbesondere, dass gute Ideen genutzt werden und es eine Feedbackschleife gibt, was mit ihnen passiert.

 

Informationen - oder wie die Transparenz das Engagement steigert

Bei Informationen geht es darum, dass alle Mitarbeitenden Zugang zu Informationen der Unternehmens- und Teamziele sowie der Performance-Faktoren haben, um qualifizierte Entscheidungen treffen zu können. Hierzu gehören auch Faktoren der Verfahrensgerechtigkeit, also die Wahrnehmung von Fairness in organisatorischen Entscheidungsprozessen. Eine besondere Herausforderung ist in diesem Zusammenhang ein funktionierendes Informationssystem zu entwickeln. Die Daten / Informationen müssen stets aktuell und relevant für die eigenen Arbeitsprozesse sein. Sie müssen außerdem verständlich und beeinflussbar sein. Je transparenter die operativen Entwicklungen gemacht werden, desto besser können Mitarbeitende ihre Anstrengungen so ausrichten, dass sie den Unternehmenserfolg weiter unterstützen und nicht aus Versehen dagegen arbeiten. Die Transparenz kommt dementsprechend der Verfügbarkeit von Feedback gleich. Wer erkennen kann, welche Auswirkungen sein Verhalten hat, kann sein Verhalten entsprechend steuern. Ein fehlender Zugang zu dieser Rückkopplung hat katastrophale Auswirkungen auf die Leistung jedes Einzelnen.

 

Zuckerbrot und Zuckerbrot - das Belohnungssystem 

Belohnung beschreibt ein Belohnungssystem, das die Vergütung, Beförderungen und Anerkennung gleichermaßen an die Leistung des Individuums, des Teams und des Unternehmens koppelt. Bei der Belohnung geht es darum, dass das was ich tue sich lohnen muss. Das heißt beispielsweise, dass es sich lohnen muss Vorschläge einzubringen. Das tut es, wenn sichergestellt ist, dass die Vorschläge umgesetzt werden, und, wenn ich am Ende davon profitiere, dass der Vorschlag umgesetzt wird. Wenn ich mich zum Beispiel am Recruiting Prozess in meinem Team beteilige, werde ich letztendlich dafür belohnt, dass ich von meiner Arbeit entlastet werde, wenn wir ein neues Teammitglied bekommen. Außerdem ist es gerade im selbstorganisierten Kontext sinnvoll, Boni nicht an Einzelleistungen festzumachen, sondern am Unternehmenserfolg. Somit ist die Motivation höher etwas gutes für das Unternehmen zu tun und nicht nur auf den eigenen Vorteil zu schielen.

 

Ohne Kompetenzen geht es nicht

 Unter den Kompetenzen wird zusammengefasst, dass die Mitarbeitenden in der Lage sind, ihre Aufgaben zu erledigen und sich weiterzuentwickeln. Wenn die Organisation in die Mitarbeitenden investiert und ihre Kompetenzen beständig weiterentwickelt, verbessert sich auch die Organisation beständig. Die Investition in Trainings  und Lernräume ist in „High Involvement“ Organisationen unerlässlich. Denn wenn ihr möchtet, dass alle Kolleg*innen selbstständig wichtige Entscheidungen treffen, dann sollten sie auch die Kompetenzen dazu haben. Das gilt für Hard-Skills genauso wie für Soft-Skills.  Ein offensichtliches Beispiel für letzteres ist die Fähigkeit in Teams zu arbeiten. Diese Fähigkeit wird den meisten ja nicht in der Schule oder Uni mitgegeben. Aber auch, wie man sich selber führt oder komplexe Probleme löst, bedarf oft noch etwas Übung. Und nicht zu Letzt die Selbstorganisation mit all ihren Facetten, will gelernt sein.

 Selbstorganisation bei euch

Zusammengefasst heißt das, dass Mitarbeitende eigenständig gute, arbeitsrelevante Entscheidungen treffen können, weil sie die Macht, die Informationen und die Kenntnisse bzw. das Können dazu haben sowie ein Belohnungssystem existiert, das Erfolge von guten Entscheidungen honoriert. Laut Lawler müssen alle vier Faktoren hoch sein und ineinandergreifen, um einen optimalen Effekt für die das Engagement der Mitarbeitenden erzielen zu.  Durch die so entstehende Selbstorganisation schafft ihr so auch mehr Flexibilität und Innovation, um auch langfristig erfolgreich im Markt agieren zu können. Wenn du dir jetzt mal eure Prozesse anschaust, welche Faktoren von HIWP sind schon hoch und an welchen könntet ihr noch schrauben? Teilt gerne eure Erfahrungen zum Thema Selbstorganisation mit uns in den Kommentaren. Wir sind sehr gespannt!