Entscheidungsfindung für Fortgeschrittene - Wie du trotz Ungewissheit sicher entscheidest

Effectuation.png

Sicherlich gibt es in deinem Freundes- und Bekanntenkreis eine Person, die einfach immer macht, der jede Gelegenheit zufliegt, und irgendwie schneller vorankommt, als andere. Dahinter verbirgt sich nichts anderes als eine Reihe von Denk- und Entscheidungsgewohnheiten, die sich als Effectuation zusammenfassen lassen. Jeder, der diese Methode nutzt, kann sehr gut Entscheidungen unter Ungewissheit treffen und handelt, anstatt abzuwarten oder zu zögern.

Wissenschaftlich fundiert sind das genau die Prinzipien, die erfolgreiche Unternehmer und Mehrfach-Gründer für sich nutzen. Sie wissen, dass das Grundprinzip “Ziele setzen - planen - umsetzen” in unserer schnelllebigen, komplexen Welt nicht mehr greift. In dieser Welt gelten andere Prinzipien: Partnerschaften, Mittelorientierung und Zufälle nutzen sowie abwägen, welchen Verlust man verkraften kann.

Wenn du dir gerne eine Scheibe abschneiden würdest von dieser Person, die einfach immer macht und ein Überflieger ist, dann schau dir die Prinzipien von Effectuation etwas genauer an. 

Effectuation Vs. Management

Die Prinzipien werden besonders klar, wenn man sie den klassischen Management-Prinzipien gegenüberstellt. Die Management-Prinzipien haben wir sehr lange genutzt, denn sie haben uns gute Dienste erwiesen. Nicht nur im Unternehmenskontext war es gut abzuwägen, einen Plan zu machen und ihn anzupassen, sobald nicht alles einhundertprozentig eingetreten ist. 

Ein klassisches Unternehmen ist meist mehr mit einer begrenzten Anzahl von unbekannten Größen konfrontiert. Für das angebotene Produkt gibt es meist schon einen definierten Markt mit bekannten Konkurrenten, eine klarer Kundengruppen, fertige Prognosen und abwägbaren Preisentwicklungen. Doch je innovativer das Unternehmen und dessen Umgebung, desto unkalkulierbarer werden Umstände und damit die Zukunft.

Auch im privaten Kontext haben wir die Methoden irgendwie gesellschaftlich implementiert. Wenn nicht klar ist, ob ich einen neuen Job bekomme, kündige ich nicht. Wenn ich nicht weiß, ob der neue Job besser ist als der alte behalte ich diesen vielleicht doch besser. Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach - wenn ich nicht sicher bin, dass sie dort auch wirklich sitzt, wenn ich sie abholen möchte. 

Heute stehen uns innerhalb weniger Sekunden Unmengen an Daten und Informationen zur Verfügung. Mit einem Klick können wir sie abrufen. Nur die Zukunft können wir trotzdem nicht vorhersagen. Ein falscher Post bei Twitter und zwölf Stunden später ist der Job weg oder dem Unternehmen ein riesiger finanzieller Schaden entstanden.

Die Zukunft ist nicht vorhersehbar. Alles was du selbst in die Hand nimmst, ist steuerbar. Mach das Beste draus!
— Effectuation

Effectuation schafft in diesem Fall Abhilfe! Es bietet eine intuitive Entscheidungs- und Handlungslogik mit einem Prozess und einer Sprache um diese Probleme erfolgreich zu handhaben. Für erfolgreiche Unternehmer ist der beste Weg die Zukunft vorherzusagen, sie selber zu gestalten.

Effectuation für Startups.png

Effectuation-Beispiele

Effectuation wurde beispielsweise von Bill Gates angewendet: Er hatte Microsoft nur gegründet, weil er keinen Job fand - der Rest ist Geschichte. Auch die Erfindung des Teebeutels und die Erfolgsgeschichte von Wrigley's Spearmint gehen auf Zufälle und das Ergreifen der Gunst der Stunde zurück. 

Der Teehändler Thomas Sullivan hatte die leichten Seidenbeutel eigentlich nur genutzt, um das Gewichtsproblem beim Versand zu umgehen. Als er dann erfuhr, dass seine Kunden  ihren Tee als Ganzes ins Wasser tunkten, um sich das Umfüllen und Abseihen zu sparen, war der Teebeutel geboren. Genauso lief es mit der Erfolgsgeschichte des Kaugummis ab. William Wrigley Jr. verkaufte eigentlich Waschmittel und wollte seinen Kunden einen zusätzlichen Kaufanreiz bieten. Als er merkte, dass das dazugelegte Kaugummi besser ankam als das eigentlich Produkte, konzentrierte er sich darauf. Bereits zwei Jahre später gab es zwei neue Geschmacksrichtungen. 

Effectuation Werkzeuge

Eine sehr gutes Werkzeug um die Effectuation Methode anzuwenden hat Klaus Haasi mit Kollegen entwickelt. Das Effectuation Grid. Das Grid dient der Selbstreflexion für Unternehmer, die unter großer Ungewissheit schnell konkrete Handlungsschritte entwickeln wollen.

Entscheidungsfähigkeit und Unternehmergeist

Wenn eine neue Methode auf den Markt kommt, wird oft gefragt welche besser ist. Effectuation ist nicht grundsätzlich besser als Management. Es kommt auf die Umstände an. In einer dynamischen und komplexen Umgebung mit hohem Innovationsdruck stellt Effectuation die bessere Wahl dar. Allerdings müssen auch in einer solchen Situation nicht sämtliche Unternehmensprozesse unter dem Effectuation-Gedanken gehandhabt werden. 

Das klassische Management funktioniert sehr gut für gängige Problemstellungen mit vielen Informationen und einer relativ vorhersehbaren Zukunft. Und auch heute noch gibt es viele Anwendungsfälle im Unternehmen, für die Management die beste Methode ist. Beispielsweise in der Buchhaltung herrscht zum Teil ein hoher Grad an Kompliziertheit, aber meist geringe Komplexität. Effectuation ist also nicht besserer als Management sondern ein alternativer methodischer Ansatz, der ungewissen Situationen nachhaltige Entscheidungsprozesse in Organisationen zu ermöglichen kann.